Betroffene Regionen & Hotspots

Ein globales Problem mit lokalen Hotspots.

Desertifikation macht an keinen Landesgrenzen halt. Von den unendlichen Weiten Afrikas über die überweideten Steppen Asiens bis hin zu den übernutzten Küsten Südeuropas: Entdecken Sie, wo die Wüstenbildung am schnellsten voranschreitet, warum kein Kontinent von der Landdegradation verschont bleibt und wo die Namibian Wildlife Foundation aktiv gegensteuert.

Weltkarte zeigt Regionen mit hoher Anfälligkeit für Desertifikation weltweit
Weltweite Verteilung der Anfälligkeit für Desertifikation. Quelle: United States Department of Agriculture (USDA), Public Domain. (1998)

Trockengebiete (Drylands): Die verwundbarsten Zonen der Erde

Um zu verstehen, wo Desertifikation stattfindet, muss man zunächst begreifen, unter welchen Bedingungen sie überhaupt entstehen kann. Desertifikation ist ein Phänomen, das exklusiv in den sogenannten Trockengebieten (englisch: Drylands) auftritt. Diese umfassen aride (trockene), semiaride (halbtrockene) und trocken-subhumide (leicht feuchte) Klimazonen.

Etwa 40 Prozent der gesamten globalen Landoberfläche fallen in diese Kategorie. Diese Gebiete beheimaten rund 3 Milliarden Menschen und einen riesigen Anteil der weltweiten Biodiversität (wie die afrikanischen Savannen). Das Tückische an diesen Regionen ist ihr extrem empfindliches ökologisches Gleichgewicht. Die Niederschläge sind hier von Natur aus gering und oft über Jahre hinweg stark schwankend. Die Vegetation ist perfekt an diese harten Bedingungen angepasst, aber sie wächst langsam und erholt sich nach Schäden nur schwer.

Wenn der Mensch dieses fragile, über Jahrtausende eingespielte System durch massive Überweidung, radikale Abholzung oder intensive, unangepasste Landwirtschaft stört, kippt es unweigerlich. Der Boden verliert seine Fruchtbarkeit, die Vegetation stirbt ab, und die Wüstenbildung nimmt ihren zerstörerischen Lauf.

World map showing global distribution of drylands based on aridity index including hyper arid, arid, semi arid and dry sub humid regions between 1981 and 2010
Globale Verteilung von Trockengebieten basierend auf dem Ariditätsindex für den Zeitraum 1981–2010. Quelle: Cherlet et al., World Atlas of Desertification (European Commission), CC BY 4.0 (https://wad.jrc.ec.europa.eu/download )

Afrika: Der Kontinent der Extreme und unser Praxisraum

Afrika ist der mit Abstand am stärksten von Desertifikation betroffene Kontinent der Erde. Fast zwei Drittel der gesamten afrikanischen Landfläche bestehen aus Wüsten (wie der Sahara oder der Kalahari) oder extrem empfindlichen Trockengebieten. Die Kombination aus rasantem Bevölkerungswachstum, extremer Armut und den immer härter werdenden Folgen des globalen Klimawandels (Dürren) macht den Kontinent zum globalen Epizentrum der Krise.

Die Sahelzone: Die Frontlinie der Wüstenbildung

Die Sahelzone, ein riesiger, semiarider Übergangsgürtel, der sich quer über den gesamten Kontinent südlich der Sahara erstreckt (von Senegal bis Dschibuti), gilt als der absolute globale Hotspot der Landdegradation. Durch ein explosives Bevölkerungswachstum, historische, jahrelange Dürren in den 1970er und 80er Jahren und die daraus resultierende intensive Überweidung durch nomadische Hirten breitet sich hier die “Wüste” rasant aus. Millionen von Menschen in Ländern wie Mali, Niger oder dem Tschad leiden unter chronischer Nahrungsmittelknappheit, Armut und oft blutigen Ressourcenkonflikten. Das ambitionierte Projekt der Great Green Wall (Große Grüne Mauer) versucht hier, durch Aufforstung und nachhaltiges Landmanagement eine Barriere gegen die Degradation zu errichten.

Namibia: Unser Praxisraum und die Bedrohung der Savanne

Für die Namibian Wildlife Foundation (NWF) ist das südliche Afrika, insbesondere Namibia, der zentrale Handlungsort und Praxisraum. Namibia ist das trockenste Land südlich der Sahara. Die zunehmende Aridisierung (klimatische Austrocknung) gepaart mit oft nicht nachhaltiger Landnutzung – insbesondere durch riesige, kommerzielle Rinderfarmen – führt hier zu massiver Bodendegradation.

Diese fatale Entwicklung bedroht nicht nur die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Farmer und der lokalen Bevölkerung, sondern zerstört auch den natürlichen, evolutionär gewachsenen Lebensraum der Giraffen, Elefanten, Nashörner und unzähliger anderer Wildtiere. Mit unseren Earth Healing Projects im Khomashochland und anderen Regionen setzen wir genau hier an. Wir nutzen modernste GeoAI-Technologie, um die Degradation zu überwachen, und traditionelles Wissen, um die Savannenlandschaften zu renaturieren und ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen Mensch, Nutztier und Wildtier wiederherzustellen.

Asien und Südamerika: Die stillen, oft vergessenen Krisenherde

Auch wenn Afrika in der medialen Berichterstattung oft im Fokus steht, findet die Wüstenbildung weltweit statt und richtet in Asien und Südamerika gewaltige Schäden an.

Zentralasien und China: Staubstürme über Megacitys

In den unendlichen Steppen Zentralasiens (z.B. Kasachstan, Usbekistan) und den riesigen Trockengebieten Nordchinas (wie rund um die Wüste Gobi) führt extreme Überweidung zu massiver Bodenerosion. Hier grasen gigantische Schaf- und Ziegenherden, oft getrieben durch die globale Nachfrage nach billiger Kaschmirwolle und Fleisch. Die Tiere fressen die Grasnarbe komplett ab. Die sichtbare, dramatische Folge dieser Degradation sind riesige Sand- und Staubstürme, die den fruchtbaren Mutterboden in die Atmosphäre reißen und ihn oft hunderte oder tausende Kilometer weit bis nach Peking, Seoul oder sogar über den Pazifik tragen.

Südamerika: Abholzung für den Weltmarkt

In Südamerika sind insbesondere die Trockenwald- und Savannenregionen in Brasilien (der Nordosten, die sogenannte Caatinga und der Cerrado), in Argentinien und im nördlichen Chile stark betroffen. Hier sind es weniger nomadische Hirten, sondern oft die großflächigen, industriellen Abholzungen für die exportorientierte Landwirtschaft (riesige Soja-Plantagen und kommerzielle Rinderzucht), die den Boden schutzlos dem extremen Wind und der tropischen Sonne ausliefern.

Europa und Deutschland: Gibt es hier Desertifikation?

Die kurze, oft überraschende Antwort lautet: Ja, die Gefahr rückt deutlich näher, als viele Menschen in Europa glauben.

Südeuropa (Spanien, Italien, Griechenland): Das trockene Erbe

Länder wie Spanien, Italien und Griechenland spüren die Auswirkungen der Landdegradation bereits massiv und schmerzhaft. Insbesondere in Südspanien (z.B. in Andalusien) führt der enorme, oft illegale Wasserverbrauch für den extrem intensiven Obst- und Gemüseanbau (die berüchtigten “Plastikmeere” von Almería) sowie für den Massentourismus zu einer rapiden Absenkung des Grundwasserspiegels. Die Böden versalzen, trocknen tiefgründig aus und degradieren. Weite Teile der iberischen Halbinsel gelten offiziell als stark von echter Desertifikation bedroht.

Deutschland: Ähnliche Zerstörungsprozesse trotz anderer Definition

In Deutschland spricht man wissenschaftlich und offiziell nicht von “Desertifikation”, da wir klimatisch nicht zu den ariden oder semiariden Trockengebieten zählen. Dennoch beobachten wir hierzulande durch den Klimawandel (häufigere, extremere Dürrejahre) und die sehr intensive, industrielle Landwirtschaft sehr ähnliche Prozesse der massiven Bodendegradation. Die Böden trocknen tiefgründig aus, die wertvolle Humusschicht erodiert durch starken Wind, und die Wasserspeicherfähigkeit nimmt rapide ab. Die Mechanismen der Zerstörung, Übernutzung gepaart mit Klimastress, sind global erschreckend ähnlich, egal ob in Brandenburg oder im Khomashochland.

➔ Lesen Sie unseren detaillierten Fachartikel über den Unterschied zwischen echter Desertifikation und Bodendegradation in Deutschland und Europa HUB 11

Desertifikation

Häufig gestellte Fragen zu den Regionen der Desertifikation

Afrika ist mit Abstand am stärksten betroffen, da fast zwei Drittel seiner gesamten Landfläche aus Wüsten oder sehr empfindlichen, fragilen Trockengebieten bestehen. Die Sahelzone südlich der Sahara gilt als der globale Hotspot der Wüstenbildung.

Namibia ist das trockenste Land südlich der Sahara. Die toxische Kombination aus von Natur aus extrem geringen und schwankenden Niederschlägen, den Auswirkungen des Klimawandels und einer intensiven, oft nicht nachhaltigen Weidewirtschaft (kommerzielle Rinderzucht) führt zu einer sehr schnellen Degradation der empfindlichen Savannenböden.

Ja, absolut. Insbesondere die Mittelmeerländer wie Spanien, Italien und Griechenland sind stark gefährdet. Ein übermäßiger, oft unregulierter Wasserverbrauch für intensive Landwirtschaft und Massentourismus sowie zunehmende, klimabedingte Dürren führen dort zu einer massiven Verschlechterung und Versalzung der Böden.

Laut der offiziellen UN-Definition (UNCCD) tritt Desertifikation ausschließlich in trockenen (ariden, semiariden und trocken-subhumiden) Klimazonen auf, zu denen Deutschland klimatisch nicht zählt. Dennoch erleben wir hierzulande durch den Klimawandel und die intensive Landwirtschaft sehr ähnliche, gefährliche Prozesse der Bodendegradation (Austrocknung, Humusverlust, Erosion).

Quellen und wissenschaftliche Referenzen

[1] Glotzbach, H. J. (2024). GIS und KI: Einsatzmöglichkeiten von GeoAI in der Bekämpfung von Desertifikation mit Hilfe von ArcGIS Pro. Bachelor-Thesis, Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 1.
[2] UNCCD (United Nations Convention to Combat Desertification). (2022).Global Land Outlook 2. Umfassende Analyse der weltweiten Landdegradation und betroffenen Regionen.
[3] IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). (2019).Climate Change and Land: An IPCC Special Report.
[4] Fischer, C. (o. J.).Äolische Prozesse und Formen – Desertifikation, Wüsten, Dünenformen. Studienarbeit, GRIN Verlag.