Der Streifenschakal ist ein faszinierender, oft übersehener Bewohner der feuchteren Regionen im Nordosten Namibias. Als anpassungsfähiger Allesfresser spielt er eine wichtige Rolle im Ökosystem, wird jedoch aufgrund seiner heimlichen, nachtaktiven Lebensweise seltener beobachtet als andere Schakalarten.
Steckbrief
- Deutscher Name: Streifenschakal
- Wissenschaftlicher Name: Lupulella adusta (Synonym: Canis adustus)
- Weitere deutsche Namen: Gestreifter Schakal
- Englischer Name: Side-striped jackal
- Tiergruppe: Säugetiere (Raubtiere, Hundeartige)
- Größe: Schulterhöhe ca. 40-50 cm, Kopfrumpflänge ca. 65-81 cm
- Gewicht: 6,5-14 kg (meist 10-12 kg)
- Lebenserwartung: Bis zu 10-12 Jahre
- Lebensraum: Gehölzreiche Gebiete, Busch- und Grasland, Feuchtgebiete (meidet offene Savannen und Wüsten)
- Nahrung: Allesfresser (Früchte, Insekten, kleine Säugetiere, Aas)
- Aktivitätszeit: Nachtaktiv
- Sozialverhalten: Monogame Paare, territoriales Verhalten
- Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten: Paarung meist Juli bis September (südliches Afrika)
- Tragzeit: 57-70 Tage
- Anzahl Jungtiere: 3-6 Welpen
- Vorkommen in Namibia: Nordosten (Khaudum Nationalpark, Bwabwata Nationalpark, Zambezi-Region)
- Vorkommen in Afrika: Weite Teile Afrikas südlich der Sahara (West-, Zentral-, Ost- und südliches Afrika)
- Population in Namibia: < 4.500 (Carnivore Red Data Book Namibia, 2022)
- Population in Afrika: ca. 3 Millionen (IUCN, 2014)
- Globaler Bestand: ca. 3 Millionen
- Bestandstrend: Stabil
- Schutzstatus (IUCN): Nicht gefährdet (Least Concern)
- Quelle der Populationsangabe: Carnivore Red Data Book Namibia (2022), IUCN Red List
- Besonderheit: Frisst im Vergleich zu anderen Schakalen deutlich mehr pflanzliche Nahrung (Früchte).
Artporträt: Streifenschakal
Namen und Einordnung
Der Streifenschakal (Lupulella adusta, früher Canis adustus) gehört zur Familie der Hunde (Canidae) und zur Gattung der Afrikanischen Schakale (Lupulella). Im Englischen wird er als “Side-striped jackal” bezeichnet. Jüngere phylogenetische Untersuchungen haben dazu geführt, dass er zusammen mit dem Schabrackenschakal in die Gattung Lupulella eingeordnet wird, um sie von den echten Hunden (Canis) abzugrenzen.
Aussehen und Erkennungsmerkmale
Der Streifenschakal ist ein mittelgroßer Wildhund. Sein Fell hat eine bräunlichgraue Grundfärbung. Das markanteste Merkmal ist ein heller, oft von einem dunklen Rand begleiteter Streifen an den Flanken, der jedoch je nach Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Die Schwanzspitze ist meist weiß, was ihn gut vom Schabrackenschakal (schwarze Schwanzspitze) unterscheidet. Seine Ohren sind etwas kürzer und runder als die des Schabrackenschakals. Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum in der Größe, wobei Männchen tendenziell etwas schwerer sind.
Lebensraum
Im Gegensatz zum Schabrackenschakal meidet der Streifenschakal offene, trockene Savannen und Wüstengebiete. Er bevorzugt gut bewässerte, gehölzreiche Habitate, Busch- und Grasland sowie Feuchtgebiete. In Gebieten, in denen beide Arten vorkommen, weicht der Streifenschakal oft in dichtere Vegetation aus, da er vom aggressiveren Schabrackenschakal aus offenen Gebieten verdrängt wird.
Verbreitung in Namibia
In Namibia kommt der Streifenschakal nur in den feuchteren Regionen im Nordosten vor. Sein Verbreitungsgebiet umfasst Teile der Otjozondjupa-, Oshikoto- und Ohangwena-Regionen sowie die Kavango- und Zambezi-Regionen. Er ist unter anderem im Khaudum Nationalpark und im Bwabwata Nationalpark anzutreffen. Auf kommerziellen Farmen im restlichen Land fehlt er weitgehend.
Verbreitung in Afrika
Der Streifenschakal ist in weiten Teilen Afrikas südlich der Sahara verbreitet. Sein Areal reicht von Westafrika (Senegal, Guinea) über Zentral- und Ostafrika bis ins südliche Afrika (Angola, Sambia, Simbabwe, Mosambik, nördliches Botswana und nordöstliches Südafrika).
Population und Bestandstrend
Die globale Population wird auf etwa drei Millionen Tiere geschätzt und gilt als stabil. In Namibia ist die Population deutlich kleiner; das “Carnivore Red Data Book of Namibia” (2022) schätzt den Bestand auf weniger als 4.500 Individuen. Die Art wird von der IUCN weltweit und auch in Namibia als “Nicht gefährdet” (Least Concern) eingestuft.
Ernährung und Fressverhalten
Der Streifenschakal ist ein ausgesprochener Allesfresser mit einem hohen Anteil an pflanzlicher Nahrung. Er frisst gerne wilde Früchte (wie Mobola-Pflaumen oder Wasserbeeren), Insekten, kleine Säugetiere, Reptilien und Vögel. Aas wird ebenfalls verzehrt, spielt aber eine geringere Rolle als bei anderen Schakalen. Er jagt meist einzeln und ist bei der Nahrungssuche sehr anpassungsfähig.
Verhalten und Spzialstruktur
Streifenschakale leben in monogamen Paaren, die ein Leben lang zusammenbleiben und ein gemeinsames Territorium verteidigen. Sie sind strikt nachtaktiv und legen bei der Nahrungssuche pro Nacht 10 bis 20 Kilometer zurück. Im Vergleich zum Schabrackenschakal gelten sie als scheuer und heimlicher.
Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten
Die Paarungszeit fällt im südlichen Afrika meist in die Monate Juni bis September. Nach einer Tragzeit von 57 bis 70 Tagen bringt das Weibchen in einem Erdbau (oft verlassene Erdferkelbauten) 3 bis 6 Welpen zur Welt. Beide Elternteile beteiligen sich an der Aufzucht und würgen Nahrung für die Jungen hoch. Die Jungtiere werden nach etwa 8 bis 10 Wochen entwöhnt und verlassen das elterliche Revier meist im Alter von 11 bis 24 Monaten.
Besondere Anpassung
Eine bemerkenswerte ökologische Anpassung ist seine flexible Ernährung, die es ihm ermöglicht, auch in Zeiten knapper tierischer Beute durch den Verzehr von Früchten und Insekten zu überleben. Seine Vorliebe für dichtere Vegetation schützt ihn vor Konkurrenz durch größere Raubtiere und den dominanteren Schabrackenschakal.
Besonderheiten in Namibia
In Namibia stellt der Streifenschakal eine Besonderheit dar, da er auf den feuchten Nordosten beschränkt ist und im Gegensatz zum allgegenwärtigen Schabrackenschakal im Großteil des Landes fehlt. Er ist ein Indikator für intakte, gut bewässerte Wald- und Buschlandschaften in der Zambezi- und Kavango-Region.
Ökologische Rolle
Als Allesfresser und Aasfresser erfüllt der Streifenschakal eine wichtige Funktion als “Gesundheitspolizei” im Ökosystem. Durch den Verzehr von Früchten trägt er zudem zur Samenverbreitung verschiedener Pflanzenarten bei. Er reguliert die Populationen von Insekten und kleinen Nagetieren.
Gefährdung und Schutz
Die Art ist derzeit nicht gefährdet. Lokale Bedrohungen in Namibia umfassen gelegentliche Verwechslungen mit dem Schabrackenschakal, was zu ungerechtfertigter Verfolgung durch Farmer führen kann. Auch Verkehrsunfälle und die Übertragung von Krankheiten (wie Tollwut oder Staupe) durch Haushunde stellen potenzielle Risiken dar.
Beobachtung und Verhalten in der Natur
Aufgrund seiner nachtaktiven und scheuen Lebensweise ist der Streifenschakal schwer zu beobachten. Die besten Chancen bieten sich bei Nachtfahrten in den Nationalparks des Nordostens (Khaudum, Bwabwata). Beobachter sollten Abstand halten, die Tiere nicht blenden und keinesfalls füttern, um ihr natürliches Verhalten nicht zu stören.
Kurzfazit
Der Streifenschakal ist ein heimlicher, aber faszinierender Bewohner des nordöstlichen Namibias. Mit seiner flexiblen, oft pflanzlichen Ernährung und seiner Anpassung an dichtere Vegetation bereichert er die Biodiversität der Region und verdient unseren Schutz und Respekt.
Quellenhinweise
- IUCN Red List of Threatened Species
- Wiesel, I. & Luyt, C. (2022). A conservation assessment of Side-striped Jackal Canis adustus. In: Conservation Status and Red List of the Terrestrial Carnivores of Namibia. MEFT, LCMAN & NCE.
- Animalia.bio: Streifenschakal

