Die Süd-Giraffe ist als höchstes Landsäugetier der Erde eine der ikonischsten Erscheinungen der afrikanischen Savanne und ein bedeutender Teil der namibischen Tierwelt. Für Namibia ist sie besonders interessant, da das Land eine der wenigen Regionen in Afrika ist, in der die Giraffenpopulationen dank erfolgreicher Schutzmaßnahmen wachsen. Ihre Anpassungsfähigkeit an die trockenen Lebensräume macht sie zu einem faszinierenden Studienobjekt und einem wichtigen Fokus für den Naturschutz.
Steckbrief
- Deutscher Name: Süd-Giraffe
- Wissenschaftlicher Name: Giraffa giraffa
- Weitere deutsche Namen: Giraffe
- Englischer Name: Southern Giraffe
- Tiergruppe: Säugetiere (Paarhufer)
- Größe: Bis zu 5,7 Meter (Männchen)
- Gewicht: Bis zu 1200 kg (Männchen)
- Lebenserwartung: 20 bis 25 Jahre in freier Wildbahn
- Lebensraum: Trockene Savannen, offenes Grasland, Buschland und trockene Flussbetten
- Nahrung: Blätter, Triebe und Knospen, bevorzugt von Akazien (Acacia), Combretum, Commiphora und Terminalia
- Aktivitätszeit: Tagaktiv, oft in den kühleren Morgen- und Abendstunden fressend
- Sozialverhalten: Lockere Herdenverbände ohne feste Hierarchie, oft getrennt nach Geschlecht
- Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten: Keine feste Paarungszeit, Männchen prüfen die Empfängnisbereitschaft der Weibchen
- Tragzeit: Etwa 15 Monate
- Anzahl Jungtiere: In der Regel 1 Jungtier
- Vorkommen in Namibia: Landesweit in trockenen Savannen, besonders im Nordwesten (Kunene), Etosha-Nationalpark und auf privaten sowie kommunalen Ländereien
- Vorkommen in Afrika: Südliches Afrika (Namibia, Südafrika, Botswana, Simbabwe, Sambia)
- Population in Namibia: Etwa 14.000 Angola-Giraffen (Giraffe Conservation Foundation, 2025)
- Population in Afrika: Etwa 69.000 Süd-Giraffen (Giraffe Conservation Foundation, 2025)
- Globaler Bestand: Etwa 69.000 Süd-Giraffen
- Bestandstrend: Zunehmend
- Schutzstatus (IUCN): Nicht gefährdet (Least Concern) für die Angola-Giraffe, Art insgesamt als gefährdet (Vulnerable) eingestuft
- Quelle der Populationsangabe: Giraffe Conservation Foundation (State of Giraffe 2025)
Artporträt: Süd-Giraffe / Südliche Giraffe
Namen und Einordnung
Der deutsche Hauptname lautet Süd-Giraffe, im Englischen wird sie als Southern Giraffe bezeichnet. Wissenschaftlich wird sie als *Giraffa giraffa* geführt und gehört zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) sowie zur Familie der Giraffenartigen (Giraffidae). Lange Zeit ging man von nur einer Giraffenart aus, doch neuere genetische Untersuchungen haben vier eigenständige Arten identifiziert, darunter die Süd-Giraffe. In Namibia kommt hauptsächlich die Unterart der Angola-Giraffe (*Giraffa giraffa angolensis*) vor, während im Bwabwata-Nationalpark im Nordosten auch eine kleine Population der Südafrikanischen Giraffe (*Giraffa giraffa giraffa*) lebt.
Aussehen und Erkennungsmerkmale
Die Süd-Giraffe zeichnet sich durch ihren unverwechselbaren Körperbau mit dem extrem langen Hals und den langen Beinen aus. Männchen können eine Höhe von bis zu 5,7 Metern erreichen und wiegen bis zu 1200 kg, während Weibchen etwas kleiner und leichter sind. Das Fellmuster der Angola-Giraffe besteht aus großen, oft sternförmigen oder unregelmäßigen braunen Flecken auf einem helleren, cremefarbenen Hintergrund. Die Flecken reichen bei dieser Unterart oft bis zu den Hufen hinab. Beide Geschlechter tragen auf dem Kopf zwei mit Haut überzogene Knochenzapfen (Ossikone), die bei Männchen oft dicker und an den Enden kahl sind, da sie diese bei Rangkämpfen einsetzen. Jungtiere werden bereits mit einer Höhe von etwa 1,8 Metern geboren und wachsen schnell. Für Besucher sind Giraffen aufgrund ihrer enormen Größe und des markanten Musters leicht zu erkennen.
Lebensraum
Die Süd-Giraffe bewohnt in Namibia vor allem trockene Savannen, offenes Grasland, Buschland und lichte Wälder. Besonders wichtig sind für sie die Galeriewälder entlang ephemerer (zeitweilig wasserführender) Flüsse, da diese auch in der Trockenzeit ausreichend Nahrung in Form von tiefwurzelnden Bäumen bieten. Diese Lebensräume sind entscheidend für das Überleben der Giraffen in den ariden und hyperariden Regionen des Landes, da sie hier die notwendige Deckung und Nahrungsressourcen finden.
Verbreitung in Namibia
In Namibia sind Giraffen weit verbreitet. Die größte Population der Angola-Giraffe findet sich im Nordwesten des Landes, insbesondere in der Kunene-Region, sowie im und um den Etosha-Nationalpark. Sie kommen sowohl in staatlichen Schutzgebieten als auch auf privaten Farmen und in kommunalen Hegegebieten (Conservancies) vor. Durch erfolgreiche Umsiedlungsprogramme wurden Giraffen auch in Gebiete zurückgebracht, aus denen sie zuvor verschwunden waren. Die Bestände in Namibia sind natürlich, wurden aber durch gezieltes Management in einigen Regionen gestärkt.
Verbreitung in Afrika
Die Süd-Giraffe ist im südlichen Afrika beheimatet. Neben Namibia erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet über Südafrika, Botswana, Simbabwe und Teile Sambias. Erfolgreiche Wiederansiedlungen fanden auch in Malawi und Mosambik statt. Die Angola-Giraffe kommt vor allem in Namibia und Botswana vor, während die Südafrikanische Giraffe in den östlicheren Teilen des südlichen Afrikas dominiert.
Population und Bestandstrend
Die Population der Süd-Giraffe ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten im afrikanischen Naturschutz. Laut dem Bericht “State of Giraffe 2025” der Giraffe Conservation Foundation (GCF) leben in Afrika etwa 69.000 Süd-Giraffen, was einer Verdoppelung des Bestandes in den letzten drei Jahrzehnten entspricht. In Namibia wird die Population der Angola-Giraffe auf etwa 14.000 Individuen geschätzt. Der Bestandstrend in Namibia und im gesamten südlichen Afrika ist zunehmend, was auf effektive Schutzmaßnahmen, das System der kommunalen Hegegebiete und das Engagement privater Landbesitzer zurückzuführen ist.
Ernährung und Fressverhalten
Giraffen sind reine Pflanzenfresser und haben sich auf das Abweiden von Blättern, Trieben und Knospen in großen Höhen spezialisiert. In Namibia bevorzugen sie die Blätter von Akazien (Acacia), Combretum, Commiphora und Terminalia. Mit ihrer bis zu 50 Zentimeter langen, bläulichen und greifbaren Zunge können sie geschickt Blätter zwischen den Dornen der Akazien abstreifen. Giraffen können ihren Wasserbedarf zu einem großen Teil aus der Nahrung decken und kommen in den trockenen Regionen Namibias oft tagelang ohne direktes Trinkwasser aus. Wenn sie trinken, müssen sie ihre Vorderbeine weit spreizen, um mit dem Kopf das Wasser zu erreichen, was sie in eine sehr verletzliche Position bringt.
Verhalten und Spzialstruktur
Süd-Giraffen leben in lockeren, nicht-territorialen Verbänden, deren Zusammensetzung sich häufig ändert (Fission-Fusion-Sozialstruktur). Es gibt keine festen Hierarchien, außer unter den erwachsenen Männchen, die ihre Rangordnung durch das sogenannte “Necking” (Schlagen der Hälse gegeneinander) ausfechten. Sie sind überwiegend tagaktiv und verbringen einen Großteil des Tages mit der Nahrungsaufnahme. In den extrem trockenen Gebieten Namibias, wie der Kunene-Region, durchstreifen die Giraffen riesige Gebiete (bis zu 11.600 km²), um ausreichend Nahrung zu finden. Sie zeigen eine bemerkenswerte Anpassung an Dürreperioden, indem sie ihre Streifgebiete ausdehnen und sich auf die Vegetation entlang trockener Flussbetten konzentrieren.
Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten
Giraffen haben keine feste Paarungszeit und können sich das ganze Jahr über fortpflanzen. Die Männchen prüfen die Empfängnisbereitschaft der Weibchen durch das Flehmen des Urins. Nach einer langen Tragzeit von etwa 15 Monaten bringt das Weibchen im Stehen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Das Neugeborene fällt dabei aus etwa zwei Metern Höhe zu Boden, bleibt aber meist unverletzt und kann bereits nach kurzer Zeit stehen und laufen. Die Aufzucht erfolgt durch die Mutter, oft schließen sich Weibchen mit Jungtieren zu “Kindergärten” zusammen, um die Kälber besser vor Raubtieren wie Löwen oder Hyänen zu schützen. Die Jungtiere werden nach etwa 15 bis 18 Monaten entwöhnt.
Besondere Anpassung
Die Anatomie der Giraffe ist eine Meisterleistung der Evolution. Um das Blut bis in den hoch gelegenen Kopf zu pumpen, verfügt die Giraffe über ein extrem starkes Herz, das bis zu 11 kg wiegen kann, und einen sehr hohen Blutdruck. Ein komplexes System von Klappen in den Halsvenen verhindert, dass das Blut beim Senken des Kopfes (z. B. beim Trinken) zu schnell in das Gehirn schießt. Ökologisch sind die Giraffen in Namibia besonders an die Trockenheit angepasst, indem sie ihren Feuchtigkeitsbedarf stark über die Nahrung decken und große Distanzen zurücklegen können.
Besonderheiten in Namibia
Eine Besonderheit in Namibia sind die sogenannten Wüstengiraffen im Nordwesten des Landes (Kunene-Region). Diese Population der Angola-Giraffe hat sich an die hyperariden Bedingungen der Namib-Wüste angepasst. Sie überleben in einer extrem rauen Umgebung, indem sie sich auf die Vegetation in den ephemeren Flussbetten verlassen und außergewöhnlich große Streifgebiete nutzen. Diese Anpassungsfähigkeit macht sie zu einem wichtigen Fokus für die Forschung und den Naturschutz in Namibia.
Ökologische Rolle
Als “Mega-Herbivoren” spielen Giraffen eine wichtige Rolle im Ökosystem der Savanne. Durch das Abweiden von Bäumen und Sträuchern in Höhen, die für andere Pflanzenfresser unerreichbar sind, halten sie die Vegetation offen und fördern das Wachstum neuer Triebe. Zudem fungieren sie als wichtige Samenverbreiter für viele Baumarten, da die Samen unverdaut ausgeschieden werden und im nährstoffreichen Dung keimen können.
Gefährdung und Schutz
Während die Giraffe als Gesamtart auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet (Vulnerable) eingestuft ist, gilt die Population der Angola-Giraffe aufgrund der positiven Bestandsentwicklung als nicht gefährdet (Least Concern). Dennoch gibt es lokale Bedrohungen wie den Verlust von Lebensraum durch landwirtschaftliche Expansion, Zerschneidung von Lebensräumen durch Zäune und die Auswirkungen des Klimawandels, der zu vermehrten Dürren führt. Wilderei spielt in Namibia dank des effektiven Managements in den kommunalen Hegegebieten derzeit nur eine untergeordnete Rolle. Der Schutz der Giraffen in Namibia basiert stark auf der Zusammenarbeit zwischen Regierung, NGOs und der lokalen Bevölkerung.
Bedeutung für die Namibian Wildlife Foundation
Für die Namibian Wildlife Foundation (NWF) ist die Süd-Giraffe eine zentrale Art im Bereich des Lebensraumschutzes und der Artenvielfalt. Die NWF unterstützt Initiativen zur Erforschung und zum Schutz der Giraffen, insbesondere der an Trockenheit angepassten Populationen im Nordwesten. Durch die Förderung von Anti-Wilderei-Maßnahmen und die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften in den kommunalen Hegegebieten trägt die NWF dazu bei, Mensch-Tier-Konflikte zu minimieren und den Lebensraum der Giraffen zu erhalten. Bildungsprogramme sollen zudem das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung dieser faszinierenden Tiere stärken.
Beobachtung und Verhalten in der Natur
Giraffen lassen sich in Namibia hervorragend beobachten, insbesondere im Etosha-Nationalpark, in der Kunene-Region und in vielen privaten Naturreservaten. Die besten Beobachtungszeiten sind die frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden, wenn die Tiere am aktivsten sind. Bei der Beobachtung in der Natur ist ein respektvoller Abstand einzuhalten. Besucher sollten die Tiere nicht bedrängen, niemals füttern und die ausgewiesenen Wege in den Schutzgebieten nicht verlassen, um die natürliche Verhaltensweise der Giraffen nicht zu stören.
Kurzfazit
Die Süd-Giraffe ist ein herausragendes Beispiel für erfolgreichen Naturschutz in Namibia. Ihre Anpassungsfähigkeit an extreme Lebensräume und die wachsenden Populationen machen sie zu einem Symbol für die intakte Natur des Landes. Der kontinuierliche Schutz ihrer Lebensräume bleibt jedoch entscheidend für ihre langfristige Erhaltung.

