Bontebok frisst in niedriger Vegetation im Bontebok National Park in Südafrika
Bontebok beziehungsweise Buntbock (Damaliscus pygargus pygargus) im Bontebok National Park, Westkap, Südafrika. Bildquelle: Bernard DUPONT, Wikimedia Commons, CC BY SA 2.0.

Der Buntbock (Damaliscus pygargus pygargus) ist eine auffällige Antilopenart, die ursprünglich nicht in Namibia heimisch ist, sondern aus der Kapregion Südafrikas stammt. Als sogenanntes Neozoon wurde er auf einigen privaten Wildfarmen in Namibia eingeführt. Seine Geschichte ist ein bemerkenswertes Beispiel für den Artenschutz, da er in Südafrika einst kurz vor der Ausrottung stand und durch gezielte Schutzmaßnahmen gerettet werden konnte.

Steckbrief

  • Deutscher Name: Buntbock
  • Wissenschaftlicher Name: Damaliscus pygargus pygargus
  • Weitere deutsche Namen: Echter Buntbock
  • Englischer Name: Bontebok
  • Tiergruppe: Säugetiere (Mammalia), Paarhufer (Artiodactyla), Hornträger (Bovidae)
  • Größe: Schulterhöhe 80 bis 100 cm
  • Gewicht: 50 bis 80 kg (Männchen sind etwas schwerer als Weibchen)
  • Lebenserwartung: Etwa 13 bis 15 Jahre in freier Wildbahn
  • Lebensraum: Ursprünglich Fynbos und Küstengrasland (Renosterveld); in Namibia auf Farmen mit Grasland
  • Nahrung: Ausschließlich Grasfresser (Herbivor)
  • Aktivitätszeit: Tagaktiv, ruht während der heißesten Tageszeit
  • Sozialverhalten: Herdentier (Weibchenherden, Junggesellenherden, territoriale Männchen)
  • Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten: Saisonal, territoriale Männchen paaren sich mit Weibchen in ihrem Revier
  • Tragzeit: Etwa 230 bis 240 Tage (ca. 8 Monate)
  • Anzahl Jungtiere: 1 Jungtier pro Wurf
  • Vorkommen in Namibia: Neozoon (eingeführt), vereinzelt auf privaten Wild- und Jagdfarmen
  • Vorkommen in Afrika: Ursprünglich endemisch im Westkap Südafrikas
  • Population in Namibia: Keine belastbaren Zahlen (nur kleine, isolierte Bestände auf Farmen)
  • Population in Afrika: ca. 2.500 bis 3.000 Tiere (IUCN Red List, 2017)
  • Globaler Bestand: Entspricht der Population in Afrika
  • Bestandstrend: Zunehmend (dank Schutzmaßnahmen)
  • Schutzstatus (IUCN): Gefährdet (Vulnerable)
  • Quelle der Populationsangabe: IUCN Red List (2017)
  • Besonderheit: War im 19. Jahrhundert fast ausgestorben (nur noch 17 Tiere) und wurde durch Farmer gerettet.

Artporträt: Buntbock (Bontebok)

Namen und Einordnung

Der Buntbock (Damaliscus pygargus pygargus), oft auch Echter Buntbock genannt, ist im Englischen als Bontebok bekannt. Er gehört zur Familie der Hornträger (Bovidae) und zur Unterfamilie der Kuhantilopen (Alcelaphinae). Biologisch ist er eng mit dem Blessbock (Damaliscus pygargus phillipsi) verwandt, der die zweite Unterart dieser Spezies darstellt. Während der Blessbock im Highveld Südafrikas heimisch ist, beschränkt sich das natürliche Vorkommen des Buntbocks auf die Küstenregionen des Westkaps.

Aussehen und Erkennungsmerkmale

Der Buntbock ist eine mittelgroße, elegant gebaute Antilope. Sein Körperbau ist kräftig, wobei die Schulterpartie etwas höher liegt als die Kruppe. Die Fellfarbe ist ein sattes, glänzendes Dunkelbraun, das an den Flanken und Oberschenkeln oft einen purpurfarbenen Schimmer aufweist. Ein markantes Erkennungsmerkmal ist die durchgehende, leuchtend weiße Blesse, die von der Stirn bis zur Schnauze reicht. Zudem besitzen Buntböcke einen reinweißen Spiegel (die Partie um den Schwanz), einen weißen Bauch und weiße Unterschenkel. Beide Geschlechter tragen leierförmige, deutlich geringelte Hörner, die bis zu 50 cm lang werden können. Die Hörner der Männchen sind meist etwas dicker und kräftiger. Jungtiere werden mit einem helleren, beigefarbenen Fell geboren, das erst nach einigen Monaten nachdunkelt.

Lebensraum

In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet im Westkap Südafrikas bewohnt der Buntbock die Fynbos- und Renosterveld-Vegetation, die durch nährstoffarme Böden und spezifische Pflanzenarten gekennzeichnet ist. Er bevorzugt offenes, kurzes Grasland in Küstennähe. In Namibia, wo er als Neozoon lebt, ist er auf Lebensräume angewiesen, die seinem natürlichen Habitat ähneln, vor allem auf offene Grasflächen, die ausreichend Nahrung bieten. Da er stark wasserabhängig ist, muss in seinem Lebensraum stets Zugang zu Trinkwasser gewährleistet sein.

Verbreitung in Namibia

Der Buntbock kommt in Namibia nicht natürlich vor. Er ist ein Neozoon, das von Menschen eingeführt wurde. Seine Verbreitung beschränkt sich auf einige wenige private Wild- und Jagdfarmen, die Tiere aus Südafrika importiert haben. Es gibt keine freilebenden, natürlichen Bestände in den Nationalparks oder auf kommunalem Land in Namibia. Die Tiere werden meist in eingezäunten Gebieten gehalten, wo sie als Attraktion für den Tourismus oder für die Trophäenjagd dienen.

Verbreitung in Afrika

Das ursprüngliche und natürliche Verbreitungsgebiet des Buntbocks ist extrem klein und auf die Küstenebene des Westkaps in Südafrika beschränkt (östlich von Kapstadt bis etwa Mossel Bay). Durch Umsiedlungen und die Zucht auf privaten Farmen kommt er heute auch in anderen Teilen Südafrikas (wie dem Ostkap) sowie in geringer Zahl in Nachbarländern wie Namibia vor. Diese Populationen außerhalb des Westkaps gelten jedoch als eingeführt (extralimital).

Population und Bestandstrend

Für Namibia liegen keine belastbaren Populationszahlen vor, da die Bestände klein, fragmentiert und in privater Hand sind. In Südafrika und global wird der Bestand auf etwa 2.500 bis 3.000 Tiere geschätzt (IUCN Red List, 2017). Der Bestandstrend ist positiv. Im frühen 19. Jahrhundert war die Art durch übermäßige Bejagung auf nur noch 17 bis 27 Individuen geschrumpft. Dank der Bemühungen einiger Farmer und der späteren Gründung des Bontebok-Nationalparks konnte sich die Population erholen.

Ernährung und Fressverhalten

Der Buntbock ist ein reiner Grasfresser (Grazer). Er bevorzugt kurzes, frisches Gras und meidet in der Regel Laub oder Büsche. Bei der Nahrungssuche zieht er langsam grasend durch sein Revier. Eine wichtige Eigenschaft des Buntbocks ist seine Wasserabhängigkeit; er muss regelmäßig trinken und entfernt sich daher selten weit von Wasserstellen.

Verhalten und Spzialstruktur

Buntböcke sind tagaktive Tiere, die in den heißen Mittagsstunden im Schatten ruhen. Ihre Sozialstruktur besteht aus drei Hauptgruppen: territoriale Männchen, Weibchenherden mit ihren Jungtieren und Junggesellenherden. Ein territoriales Männchen verteidigt sein Revier energisch gegen Rivalen, oft durch Imponiergehabe, Markieren mit Dung und Sekret aus den Voraugendrüsen sowie gelegentliche Kämpfe. Weibchenherden durchstreifen die Reviere verschiedener Männchen auf der Suche nach Nahrung. Buntböcke sind keine guten Springer, können aber sehr gut unter Hindernissen hindurchkriechen.

Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten

Die Paarungszeit (Brunft) fällt meist in die Monate Januar bis März. In dieser Zeit versuchen die territorialen Männchen, Weibchenherden in ihrem Revier zu halten und sich mit ihnen zu paaren. Nach einer Tragzeit von etwa 230 bis 240 Tagen (rund 8 Monaten) bringt das Weibchen, meist zwischen September und November, ein einzelnes Jungtier zur Welt. Das Kalb ist ein sogenannter “Folger” und schließt sich bereits kurz nach der Geburt der Mutter und der Herde an, anstatt sich im hohen Gras zu verstecken. Nach etwa sechs Monaten wird das Jungtier entwöhnt.

Besondere Anpassung

Der Buntbock ist stark an das Leben in offenen Graslandschaften angepasst. Seine dunkle Färbung mit den weißen Abzeichen dient vermutlich der Erkennung von Artgenossen auf große Distanz. Im Gegensatz zu vielen anderen Antilopenarten, die in trockenen Gebieten leben, hat der Buntbock keine besonderen Anpassungen an Wassermangel entwickelt und ist auf regelmäßiges Trinken angewiesen.

Besonderheiten in Namibia

Da der Buntbock in Namibia ein Neozoon ist, gibt es keine spezifischen namibischen Sonderformen oder ökologischen Anpassungen an die extremen Wüstenbedingungen des Landes. Die Tiere leben in Namibia in künstlich geschaffenen oder ausgewählten Habitaten auf Farmen, die ihren Bedürfnissen nach Gras und Wasser entsprechen.

Ökologische Rolle

In seinem natürlichen Lebensraum im Fynbos spielt der Buntbock eine wichtige Rolle als Grasfresser, der die Vegetation kurz hält und so das Wachstum bestimmter Pflanzenarten fördert. In Namibia ist seine ökologische Rolle vernachlässigbar, da er nur in geringer Zahl auf eingezäunten Farmen vorkommt. Dort kann er jedoch in Konkurrenz zu heimischen Grasfressern treten.

Gefährdung und Schutz

Die IUCN stuft den Buntbock als “Gefährdet” (Vulnerable) ein. Die größte historische Bedrohung war die Überjagung. Heute sind die Hauptbedrohungen der Verlust von natürlichem Lebensraum im Westkap durch Landwirtschaft und Urbanisierung sowie die Gefahr der Hybridisierung (Kreuzung) mit dem eng verwandten Blessbock. Um die genetische Reinheit der Art zu erhalten, ist es wichtig, Buntböcke und Blessböcke strikt getrennt zu halten. Der internationale Handel ist durch CITES (Anhang II) reguliert.

Bedeutung für die Namibian Wildlife Foundation

Für die Namibian Wildlife Foundation ist der Buntbock vor allem im Kontext der Aufklärung über Neozoen und den Schutz heimischer Arten relevant. Die Foundation setzt sich für den Erhalt der natürlichen Artenvielfalt Namibias ein. Die Einführung von nicht-heimischen Arten wie dem Buntbock auf Farmen wird kritisch begleitet, da der Fokus auf dem Lebensraumschutz für endemische und natürlich vorkommende Arten liegt. Die Geschichte des Buntbocks dient jedoch als inspirierendes Beispiel dafür, wie engagierter Artenschutz eine Spezies vor dem Aussterben bewahren kann.

Herkunft und Einführung nach Namibia (Neozoon)

Der Buntbock ist ursprünglich ausschließlich in der Küstenregion des Westkaps in Südafrika heimisch. Nach Namibia wurde er von privaten Farmbesitzern eingeführt, hauptsächlich um das Angebot für den Jagdtourismus und für Wildtierbeobachtungen zu erweitern. Heute kommt er in Namibia nur in kleinen, isolierten Beständen auf eingezäunten Farmen vor. Ökologisch gesehen ist die Einführung von Neozoen nicht unproblematisch, da sie mit heimischen Arten um Nahrung und Wasser konkurrieren können. Eine Ausbreitung in die freie Wildbahn Namibias ist jedoch aufgrund der Zäune und der spezifischen Lebensraumansprüche (Wasserabhängigkeit) unwahrscheinlich.

Beobachtung und Verhalten in der Natur

In Namibia kann man den Buntbock nur auf bestimmten privaten Wildfarmen beobachten, die diese Art eingeführt haben. In freier Wildbahn oder in den staatlichen Nationalparks Namibias ist er nicht anzutreffen. Wer Buntböcke in ihrem natürlichen Lebensraum sehen möchte, muss den Bontebok-Nationalpark oder das De Hoop Nature Reserve im Westkap Südafrikas besuchen. Bei der Beobachtung gilt: Abstand halten und die Tiere nicht stören.

Kurzfazit

Der Buntbock ist eine optisch auffällige und seltene Antilope, deren Rettung vor dem Aussterben eine der großen Erfolgsgeschichten des südafrikanischen Naturschutzes ist. In Namibia ist er als Neozoon nur ein seltener Gast auf privaten Farmen. Sein Schutzstatus und seine Geschichte unterstreichen die Bedeutung von engagierten Erhaltungsmaßnahmen für bedrohte Tierarten.

Tieratlas Übersicht

Entdecken Sie Namibias faszinierende Tierwelt.

Green EcoHub

Lernen Sie unser ganzheitliches Schutzkonzept kennen.

Anti-Wilderei

Erfahren Sie, wie Wildtiere besser geschützt werden.

Desertifikation

Verstehen Sie, warum Lebensräume verschwinden.

Unsere aktuellen Projekte

Sehen Sie, woran wir aktuell arbeiten.

Jetzt Unterstützen

Helfen Sie, Schutz vor Ort möglich zu machen.