Transkript Teil 2
CopterPro Podcast mit Maximilian Henrichs
Thema: Anti Poaching, Drohneneinsatz und Wildtierschutz in Namibia
Hinweis: Dieses Transkript wurde aus Gründen der Lesbarkeit sprachlich geglättet. Inhaltliche Aussagen wurden nicht grundlegend verändert. Einzelne Zahlen und Fachangaben wurden, wo erforderlich, redaktionell präzisiert.
Moderator:
Und jetzt starten wir in das Thema rein: Anti Poaching. Du hast eben gesagt, ihr habt noch eine weitere Säule, beziehungsweise einen weiteren Schwerpunkt, und das ist Anti Poaching. Erklär erst mal, was Anti Poaching ist. Viele wissen das ja gar nicht.
Maximilian Henrichs:
Anti Poaching, zu Deutsch Anti Wilderei, bedeutet Einsätze gegen Wilderei. Denn auch in Namibia, wo viele Wildtiere leben und auch bedrohte Tierarten vorkommen, ist das Thema Wilderei ein großes Problem.
Moderator:
Warum ist das Problem so groß? Man hört das immer und denkt dann sofort an Elfenbein und so weiter. Aber das ist ja nicht der einzige Grund, warum gewildert wird.
Maximilian Henrichs:
Genau. Es gibt verschiedene Arten der Wilderei. Natürlich wird ein Nashorn wegen des Horns gewildert, ein Elefant wegen des Elfenbeins. Und eine Tierart, die viele gar nicht auf dem Schirm haben, ist das Schuppentier, also der Pangolin.
Auch die Schuppen der Pangoline sind auf illegalen Märkten sehr begehrt. Dahinter stehen vor allem irrige medizinische oder kulturelle Vorstellungen, obwohl dafür keine wissenschaftliche Grundlage existiert. Das ist bei Nashornhorn im Grunde genauso. Biologisch gesehen besteht es aus Keratin, also aus einem Material, das etwa auch in Fingernägeln vorkommt.
Natürlich darf man das nicht pauschal auf ganze Bevölkerungsgruppen übertragen. Aber es ist nun einmal so, dass die Nachfrage auf bestimmten internationalen Schwarzmärkten, vor allem in Asien, eine große Rolle spielt. Und wenn in einem Land wie Namibia solche Tiere vorkommen und gleichzeitig internationale Wirtschaftsstrukturen vor Ort präsent sind, dann erhöht das den Druck zusätzlich.
Moderator:
Und das ist dann der klassische Bereich mit Elfenbein, Horn und so weiter?
Maximilian Henrichs:
Genau. Das ist ein Teil davon. Ich hatte mich da auch mal eingelesen. Die konkreten Schwarzmarktpreise schwanken natürlich stark je nach Region, Zeitraum und Handelsstufe. Aber woran man gut erkennt, warum diese Tiere gewildert werden: Selbst bei Elfenbein oder Nashornhorn reichen schon relativ kleine Mengen, um auf illegalen Märkten enorme Summen zu erzielen. Und wenn man dann bei Elefanten an die Masse der Stoßzähne denkt, versteht man schnell, warum diese Kriminalität so hartnäckig ist.
Moderator:
Aber das ist ja nicht die einzige Art der Wilderei. Gerade in Namibia wird ja auch viel wegen Fleisch gewildert, oder?
Maximilian Henrichs:
Ja, das spielt ebenfalls eine Rolle. Teilweise wird wegen Hunger gewildert, teilweise aber auch aus wirtschaftlichen Gründen, also um Fleisch weiterzuverkaufen. Wobei ich persönlich und auch viele andere der Meinung sind: Es müsste in vielen Fällen nicht sein. Es gibt Farmer, die Communities unterstützen. Es gibt Hilfsprojekte, Suppenküchen und private Träger, die Menschen mit Nahrung versorgen. Das heißt nicht, dass es keine Not gibt. Die gibt es definitiv. Aber Wilderei bleibt trotzdem illegal.
Wenn wirklich jemand aus Hunger zu einem Farmer kommt und um Hilfe bittet, dann bekommt er in vielen Fällen auch Hilfe. Das eigentliche Problem ist eher die organisierte und systematische Wilderei. Und die läuft eben gerade bei Fleischwilderei häufig nicht mit einem einzelnen gezielten Abschuss ab, sondern mit Schlingen und Fallen. Und das ist besonders grausam.
Moderator:
Wie läuft das konkret ab?
Maximilian Henrichs:
Die meiste Fleischwilderei läuft dort oft über Schlingfallen. Das heißt, an Wildwechseln werden Zwangswechsel gebaut, meist mit Dornenbusch und anderen Materialien, so dass die Tiere in eine Engstelle gelenkt werden. Dort hängt dann am Ende eine Drahtschlinge, die sich beim Durchlaufen zuzieht.
Dann gibt es noch Schlingfallen am Boden, in die Tiere hineintreten. Die ziehen sich ebenfalls zu. Das ist ganz bitter. Zebras reißen sich dabei die Hufe auf oder sogar ab, verletzen sich schwer, hängen tagelang fest, verdursten, verhungern oder verenden qualvoll.
Das große Problem ist: Da werden in einer Nacht nicht nur ein oder zwei Fallen gelegt, sondern oft sehr viele. Und am Ende wird vielleicht nur ein Tier tatsächlich verwertet. Der Rest stirbt sinnlos. Genau das macht diese Art der Wilderei so schlimm.
Moderator:
Und das passiert wirklich in diesem Ausmaß?
Maximilian Henrichs:
Ja. Ich kenne Berichte und Videos von Farmern, auf deren Farmen genau solche Szenen entdeckt wurden. Es geht dabei nicht nur um Wildtiere, sondern teilweise auch um Rinder. Da wurden Tieren die Achillessehnen durchtrennt, damit sie nicht mehr fliehen können. Manche Tiere liegen dann bei Hitze tagelang schwer verletzt herum, bis sie gefunden werden. Wenn man solche Bilder einmal gesehen hat, vergisst man das nicht mehr.
Und da merkt man auch, was die Größe der Farmen bedeutet. Solche Grundstücke sind riesig. Es gibt Gebiete, in denen Wilderer Camps aufschlagen, Tiere töten, Fleisch trocknen und der Farmer merkt das unter Umständen tagelang nicht, weil er gar nicht überall gleichzeitig sein kann.
Moderator:
Und genau da kommt dann die Drohnentechnik ins Spiel.
Maximilian Henrichs:
Genau. Früher hast du Wilderei häufig nur durch Zufall entdeckt. Du hast Kadaver gefunden oder Schlingfallen entdeckt, vielleicht bei Kontrollfahrten oder Streifgängen. Aber jemanden auf frischer Tat zu ertappen, war fast unmöglich. Und da verändert moderne Drohnentechnik enorm viel.
Wir konnten mit Unterstützung von CopterPro kurz vor Weihnachten die Matrice 4TD in Betrieb nehmen. Das war der erste Schritt des Systems, also Drohne und Steuereinheit. Und nach nur kurzer Zeit im Einsatz konnten bereits erste Erfolge erzielt werden.
Moderator:
Erzähl mal, wie das konkret abgelaufen ist.
Maximilian Henrichs:
Wir arbeiten im Grunde mit zwei Ebenen. Die Drohne ist ein Teil davon. Ein Einsatzgebiet liegt in der Nähe von Etosha. Der Etosha Nationalpark ist einer der wichtigsten Schutzräume Namibias und zugleich ein Hotspot für Wildereidruck, gerade auch bei Nashörnern. Der Park ist riesig und trotzdem versuchen Täter immer wieder, über umliegende Farmgebiete oder Randbereiche hineinzukommen. Etosha umfasst rund 22.270 Quadratkilometer. ((Official GANP Page))
Wenn wir von professionellem Rhino Poaching sprechen, dann reden wir nicht über jemanden, der spontan wildert. Das sind oft organisierte Gruppen, die sich über viele Kilometer zu Fuß durchschlagen, Farmen queren und unterwegs auch Nahrung beschaffen. Gerade rund um Etosha gibt es deshalb Projekte, bei denen Farmerzusammenschlüsse und Partnerorganisationen mit Kameratechnik arbeiten.
Auf öffentlichen Straßen im betreffenden Gebiet stehen an bestimmten Punkten Kameramasten. Die erfassen Fahrzeuge und Bewegungsmuster. Wenn ein Fahrzeug an Punkt A auftaucht, an Punkt B aber nicht, obwohl dazwischen keine plausible Abzweigung liegt, dann wird das auffällig. Wenn später dasselbe Fahrzeug zurückkommt und offensichtlich weniger Personen im Auto sitzen, ist das natürlich ein Warnsignal.
Moderator:
Und dann geht die Kette los?
Maximilian Henrichs:
Genau. Dann werden Fährtenleser losgeschickt. Wenn frische Spuren über den Zaun gefunden werden, dann weißt du: Da sind Leute ins Gelände gegangen. Und dann kommt die Drohne ins Spiel.
In einem Fall war das morgens gegen elf. Also keine einfachen Bedingungen, weil der Boden schon warm ist und Steine ebenfalls Wärme abstrahlen. Aber der Wärmebildsensor der Matrice 4TD ist so gut, dass wir in einem großen Gebiet tatsächlich Personen im Gebüsch lokalisieren konnten.
Moderator:
Also mitten am Tag?
Maximilian Henrichs:
Ja. Und das war genau das Erstaunliche. Die Drohne war natürlich viel schneller als wir mit dem Fahrzeug. Bis wir an der Stelle mit dem Auto gewesen wären, hätten wir deutlich länger gebraucht. Die Personen haben dann irgendwann gemerkt, dass die Drohne sie erfasst hat. Wir sind tiefer rangeflogen, sie haben die Drohne klar wahrgenommen, und dann passierte etwas Interessantes: Sie kamen aus dem Gebüsch heraus und ergaben sich.
Sie stellten sich sichtbar hin und hoben die Hände. Später wollten sie sich als Pilzsammler darstellen. Aber was sie bei sich hatten und wie sie ausgerüstet waren, sprach eine andere Sprache. Unter anderem hatten sie mehrere Paare Schuhe dabei, und genau das ist ein bekanntes Muster, weil Wilderer teilweise Schuhe wechseln, um Spuren schwerer lesbar zu machen.
Dann sind wir hingefahren, haben die Situation gesichert und anschließend die örtliche Polizei informiert. Die Personen wurden mitgenommen.
Moderator:
Das heißt, die Drohne war da nicht nur Suchmittel, sondern auch Abschreckung.
Maximilian Henrichs:
Ganz genau. Und das ist ein zentraler Punkt. Wenn Menschen merken, dass dort aus der Luft überwacht wird, verändert das das gesamte Sicherheitsgefühl auf dem Gelände. Die Drohne ist eben schneller, flexibler und vor allem in schwer zugänglichem Terrain oft der entscheidende Vorteil.
Dazu kommen natürlich die technischen Funktionen. Du kannst Koordinaten setzen, mit dem Laser Rangefinder arbeiten, Punkte exakt markieren und an Teams weitergeben. So lässt sich eine Lage nicht nur entdecken, sondern auch präzise anfahren und dokumentieren.
Moderator:
Und wie ist die Handhabung vor Ort?
Maximilian Henrichs:
Sehr gut. Natürlich muss man sich einarbeiten. Gerade bei Themen wie Laserpunkt, Entfernung, Koordinatenübertragung und Einsatzplanung hilft eine saubere Schulung enorm. Aber wenn das einmal sitzt, ist das System extrem wertvoll.
Wir nutzen die Drohne inzwischen nicht nur für Anti Wilderei, sondern auch für Wildzählung, für das Wiederfinden von Tieren und nachts ist das System ohnehin unglaublich stark. Mit dem Wärmebild siehst du nachts sehr viel besser, wie viel Wild wirklich im Gelände steht.
Moderator:
Und Zaunkontrolle spielt auch eine Rolle, oder?
Maximilian Henrichs:
Ja, absolut. Farmer müssen ihre Zäune kontrollieren, und mit einer Drohne kannst du große Strecken viel effizienter abfliegen. Gerade bei langen Zaunanlagen ist das ein enormes Hilfsmittel.
Moderator:
Und dann gibt es ja noch den nächsten Schritt, nämlich das Dock.
Maximilian Henrichs:
Genau. Das DJI Dock ist im Grunde eine autarke Station für die Drohne. Dort kann sie starten, landen und laden. Ziel ist, dass die Drohne definierte Schleifen oder Routen selbstständig fliegt und das Gelände in regelmäßigen Abständen überwacht.
Wenn der Akku leer wird, kehrt sie zurück, lädt sich auf und kann danach weiterarbeiten. Dadurch bekommt man eine viel kontinuierlichere Überwachung eines Gebiets, etwa dort, wo Giraffen stehen, andere Wildtiere vorkommen oder Wildereidruck besteht.
Mit zusätzlicher Software und KI lassen sich später weitere Funktionen aufbauen, etwa Personen, Fahrzeuge oder definierte Muster automatisch zu erkennen. Auch Zaunkontrolle oder bestimmte Alarmmeldungen sind denkbar. Und über Systeme wie FlightHub kann man solche Einsätze prinzipiell sogar aus Deutschland begleiten oder steuern, sofern die Infrastruktur vor Ort steht.
Moderator:
Und das Ganze soll durch Spenden finanziert werden?
Maximilian Henrichs:
Ja. Das ist wieder ein spendenbasiertes Projekt. Wir führen Gespräche über ein Charity Konzert im Sommer. Wenn das alles klappt, sollen daraus zwei größere Dinge finanziert werden: einmal das Dock System und zum anderen ein Ausbildungszentrum beziehungsweise Nature Campus vor Ort.
Dort sollen Ranger geschult werden, auch im Umgang mit Drohnentechnik, und gleichzeitig soll das Ganze Menschen vor Ort Perspektiven geben. Denn Hilfe zur Selbsthilfe ist ein zentrales Thema. Es bringt langfristig mehr, Menschen auszubilden und in Arbeit zu bringen, als nur punktuell Geld zu verteilen.
Moderator:
Das ist im Grunde Bildung plus Naturschutz plus Arbeitsplätze.
Maximilian Henrichs:
Genau. Bildung ist der Schlüssel. Und unsere Projekte brauchen ja auch Menschen, die vor Ort Verantwortung übernehmen, also Ranger, Wildhüter und andere Kräfte. Deshalb hängt das alles zusammen.
Wir wollten eben nicht nur ein isoliertes Giraffenprojekt machen, sondern ein System aufbauen, das sich gegenseitig stärkt. Naturschutz, Bildung, Arbeitsplätze, Renaturierung und Schutzmaßnahmen greifen ineinander.
Moderator:
Vielleicht auch noch mal zu deinem Hintergrund, weil viele bei Vereinen schnell denken: Da bereichert sich jemand.
Maximilian Henrichs:
Ich habe einen Handwerksbetrieb in Bad Homburg. Ich bin Malermeister. Wir arbeiten im hochwertigen Innenausbau und in der energetischen Sanierung. Das Unternehmen gibt es seit über 45 Jahren, ich bin die zweite Generation und wir sind gut ausgelastet. Ich habe persönlich null finanzielles Interesse daran, mich über die Foundation zu bereichern. Das ist ein Herzensprojekt.
Meine Frau ist ebenfalls selbstständig und hat sogar mit ihrem eigenen Betrieb Geld an unsere Foundation gespendet. Das heißt, wir stecken privat auch selbst Geld hinein.
Wenn es jemanden interessiert, dann bin ich der Erste, der Transparenz wichtig findet. Gerade bei gemeinnützigen Projekten muss klar sein, wo Geld hingeht. Das ist für mich zentral.
Moderator:
Und es gibt ja auch immer wieder Leute, die so etwas verwechseln mit Abenteuerurlaub.
Maximilian Henrichs:
Ja, solche Anfragen gibt es tatsächlich. Leute fragen dann, wann sie auf Kosten der Foundation nach Afrika fliegen können. Und da sage ich ganz klar: gar nicht. Das ist nicht Sinn der Sache.
Wenn wir selbst dort unten sind, zahlen wir unsere Kosten privat. Essen, Unterkunft, Benzin, all das tragen wir selbst. Die Foundation könnte manches davon übernehmen, aber ich mache das bewusst nicht. Denn wenn ich sage, das Geld soll in Projekte fließen, dann muss ich mich daran auch selbst halten.
Moderator:
Und die Flüge sind inzwischen auch teuer.
Maximilian Henrichs:
Ja, je nach Saison schwankt das stark. Aber oft ist das alles andere als billig. Und da ist klar: Solche Mittel sollen nicht dafür verwendet werden, Menschen einen schönen Trip zu finanzieren.
Moderator:
Wie groß ist euer Kernteam eigentlich?
Maximilian Henrichs:
Im Verein selbst sind wir sieben Personen. Dazu kommen aber viele namibianische Partner, die ehrenamtlich oder unterstützend mitwirken. Gerade Farmer helfen oft mit Flächen, Fahrzeugen oder Maschinen. Wenn jemand einen Bulldozer oder schweres Gerät hat und das Projekt sinnvoll findet, dann wird so etwas teilweise auch zur Verfügung gestellt. Genau dadurch funktioniert vieles überhaupt erst.
Moderator:
Das geht also nur über echte lokale Netzwerke.
Maximilian Henrichs:
Nur so. Wir haben Namibia eben nicht aus reiner Touristensicht kennengelernt, sondern über echte persönliche Kontakte. Und daraus ist über die Jahre ein großes Netzwerk entstanden.
Es gibt Menschen dort, die uns bei Organisation, Genehmigungen und Behördengängen helfen, obwohl sie dafür kein Geld nehmen. Einfach, weil sie gut finden, was wir machen. Und das ist nicht selbstverständlich.
Moderator:
Du hattest eben das Rhino Thema angesprochen. Da würde ich gern noch mal kurz rein. Die Zahlen sind da schon heftig.
Maximilian Henrichs:
Ja. Auf unserer Website verlinken wir auch den offiziellen Bericht. Im Jahr 2024 wurden in Namibia nach dem nationalen Bericht 83 Nashörner, 9 Elefanten und 51 Pangoline gewildert. Das zeigt, wie ernst die Lage ist. (nnf.org.na)
Bei Nashörnern ist die Situation besonders kritisch. Afrikaweit lagen die Bestände Ende 2024 bei rund 22.540 Nashörnern, davon etwa 6.788 schwarze und 15.752 weiße Nashörner. Das sind insgesamt sehr kleine Zahlen, wenn man bedenkt, über welchen Kontinent wir sprechen. (International Rhino Foundation)
Moderator:
Und dann wird oft über Trophäenjagd diskutiert.
Maximilian Henrichs:
Ja, das ist ein sehr emotionales Thema. Man muss aber unterscheiden zwischen illegaler Wilderei und streng regulierten, staatlich freigegebenen Abschüssen einzelner Tiere in bestimmten Kontexten. In Namibia und anderen Ländern gibt es bei manchen Arten solche Modelle, bei denen Einnahmen wiederum in Schutz und Management fließen.
Das ändert aber nichts daran, dass Wilderei ein völlig anderes Problem ist. Beim Rhino Poaching reden wir nicht über kontrollierte Strukturen, sondern über organisierte Kriminalität.
Moderator:
Und dann kommt noch das Thema Enthornung dazu.
Maximilian Henrichs:
Genau. Es gibt Projekte, bei denen Nashörner betäubt und enthornt werden, weil man hofft, sie dadurch weniger attraktiv für Wilderer zu machen. Das Horn wächst nach. Selbst der verbleibende Stumpf kann aber noch interessant sein. Also ist auch das leider kein perfekter Schutz.
Was mit gelagerten Hörnern geschehen sollte und ob eine Marktflutung sinnvoll oder gefährlich wäre, ist eine umstrittene politische und ethische Debatte. Da gibt es unterschiedliche Positionen. Ich persönlich habe dazu eine Meinung, aber das ist eben genau das: eine persönliche Meinung und keine einfache Lösung.
Moderator:
Und was viele nicht sehen: Wenn eine Lodge Rhinos hält, ist das nicht einfach nur ein schönes Safari Argument.
Maximilian Henrichs:
Überhaupt nicht. Wer Rhinos auf privatem Gelände oder in entsprechenden Schutzstrukturen hält, trägt enorme Verantwortung und oft auch hohe Sicherheitskosten. Überall dort, wo Rhinos vorkommen, ist Schutzpersonal ein Thema. Das sieht der Tourist meistens gar nicht.
Und wenn mit einem Rhino etwas passiert, dann hat das gravierende Folgen. Das heißt, jeder, der sich auf so etwas einlässt und diese Tiere schützt, übernimmt ein enormes Risiko und leistet im Grunde einen Beitrag zum Erhalt der Population.
Moderator:
Und deshalb ist ehrenamtliches Engagement in dem Zusammenhang ja auch so wichtig.
Maximilian Henrichs:
Absolut. Ehrenamt ist ein Fundament von Gesellschaft. Das gilt für Sportvereine, für Kulturvereine, für soziale Projekte und eben auch für Natur und Tierschutz. Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass Menschen sich engagieren.
Und das betrifft nicht nur unsere Foundation. Unterstützt generell gute gemeinnützige Arbeit, egal ob vor Ort im eigenen Ort oder international. Jeder kann etwas tun. Zeit, Unterstützung, Spenden oder einfach Mithilfe im Verein. Gemeinwohl entsteht nicht von allein.
Moderator:
Ich finde, das ist ein starkes Schlusswort. Und ich kann nur sagen: Danke für das, was du da machst. Wirklich.
Maximilian Henrichs:
Danke dir. Aber ich mache das nicht für Lob, sondern weil mir das Land, die Tiere und die Menschen dort am Herzen liegen.
Moderator:
Trotzdem darf man das auch mal sagen. Und ich freue mich wirklich darauf, euch irgendwann vielleicht mal begleiten zu dürfen. Natürlich auf eigene Kosten, das ist ja klar. Aber ich finde das Thema unglaublich spannend.
Maximilian Henrichs:
Sehr gerne. Und wie gesagt, am Ende geht es darum, dass moderne Technik, lokales Wissen und echte Hilfe zusammenkommen. Dann kann man tatsächlich etwas bewegen.
Moderator:
Bevor wir Schluss machen: Möchtest du den Leuten noch etwas mitgeben?
Maximilian Henrichs:
Ja. Engagiert euch. Unterstützt Vereine, Projekte und gemeinnützige Initiativen. Nicht nur unsere Foundation, sondern ganz allgemein. Wenn es euch gut geht, gebt etwas zurück. Und wenn es nur kleine Dinge sind. Gerade nach den letzten Jahren brauchen wir wieder mehr Miteinander statt Gegeneinander. Das wäre mir wichtig.
Moderator:
Top. Die Spendenlinks und alle Informationen zur Namibian Wildlife Foundation findet ihr unter dem Podcast und unter dem Video. Ich bedanke mich für deine Zeit.
Maximilian Henrichs:
Danke Alex, dass ich da sein durfte. Hat mich sehr gefreut.

