Transkript Teil 1
CopterPro Podcast mit Maximilian Henrichs
Thema: Anti Poaching, Giraffenschutz und Naturschutz in Namibia
Hinweis: Dieses Transkript wurde aus Gründen der Lesbarkeit sprachlich geglättet. Inhaltliche Aussagen wurden nicht grundlegend verändert. Einzelne Zahlen und Fachangaben wurden, wo erforderlich, redaktionell präzisiert.
Moderator:
Herzlich willkommen zur neuen Podcast und Video Folge hier bei CopterPro. Heute mit einem ganz besonderen Gast, denn heute ist Maximilian Henrichs in meinem Podcast zu Gast. Er ist einer der Gründer der Namibian Wildlife Foundation. Es geht um das Thema Wilderer in Afrika, um Tierschutz in Afrika und darum, warum Drohnen dabei eine wichtige Rolle spielen. Herzlich willkommen.
Maximilian Henrichs:
Hi, servus. Danke, dass ich hier sein darf. Freut mich sehr. Das Thema Drohnen und Wilderei in Namibia ist aktuell und passt natürlich sehr gut zu euch. Ihr als Firma CopterPro unterstützt uns ja auch tatkräftig mit Equipment und Ausstattung, wofür wir sehr dankbar sind. Mit eurer Hilfe konnten wir jetzt um die Weihnachtszeit das erste größere Drohnensystem einführen und nach knapp einer Woche bereits die ersten Ergebnisse erzielen.
Moderator:
Geil. Genau darüber wollen wir heute sprechen. Was meine Community immer gern interessiert: Wie bist du überhaupt zu dem Ganzen gekommen? Wer bist du, was machst du und wie kommt man dazu, nach Namibia zu gehen und dort eine Wildlife Foundation auf die Beine zu stellen?
Maximilian Henrichs:
Mein Name ist Maximilian Henrichs, ich bin 36 Jahre alt und komme gebürtig aus Bad Homburg, also in der Nähe von Frankfurt. Wie ich nach Namibia gekommen bin, hat vor einigen Jahren begonnen. Die Schwester meines besten Freundes ist nach Namibia ausgewandert und hat dort einen deutschstämmigen namibianischen Farmer geheiratet, dessen Familie seit drei bis vier Generationen dort lebt.
Namibia war ja früher einmal deutsches Schutzgebiet. Daher gibt es dort bis heute eine größere deutschsprachige Gemeinschaft. Die Schwester meines besten Freundes hat damals in Namibia ein Praktikum gemacht, dort ihren heutigen Mann kennengelernt und ist so im Land geblieben.
Mein bester Freund und ich sind schon immer viel gereist. Irgendwann meinte er, wir sollten seine Schwester in Namibia besuchen. So sind wir dort gelandet. Vorher hatte ich mit Namibia keinerlei Berührungspunkte. Ich war auch noch nie in Afrika und hatte mit Safari oder ähnlichen Themen nichts zu tun.
Wenn man Namibia aber nicht aus touristischer Sicht kennenlernt, sondern direkt das Leben auf einer Farm erlebt, dann bekommt man schnell mit, wie hart das Leben dort sein kann. Die Kinder gehen mit sieben Jahren in die Schule und kommen dann direkt aufs Internat. Ihre Eltern sehen sie oft nur am Wochenende. Man lebt weit draußen. Man kann nicht eben mal schnell einkaufen gehen. Alles muss geplant werden. Jeder Einkauf, jede Fahrt in die Stadt, Benzin, Lebensmittel, alles ist mit großem Aufwand verbunden.
Und natürlich lebt man dort im engen Zusammenhang mit der Natur. Auf vielen Farmen gibt es große Wildbestände. Solche Farmen sind teilweise so groß wie bei uns ganze Städte.
Moderator:
Krass.
Maximilian Henrichs:
Ja. Wenn du dort auf der Terrasse stehst und so weit schaust, wie dein Auge reicht, dann ist das wirklich wie in einem Film. Und wenn man das von dieser nicht touristischen Seite erlebt, bekommt man auch mit, mit welchen Problemen die Menschen dort täglich kämpfen. Wo kommt das Geld her? Womit wird der Lebensunterhalt verdient?
Viele betreiben Rinderzucht oder Schafzucht. In den nördlicheren Regionen ist eher Rinderhaltung verbreitet, in den südlicheren Regionen eher Schafhaltung, weil Namibia insgesamt ein sehr trockenes Land ist. Im Süden ist vieles karger, dort wächst weniger und deshalb ist Schafhaltung oft sinnvoller. Im Norden gibt es etwas mehr Feuchtigkeit.
Moderator:
Woran liegt das?
Maximilian Henrichs:
Je weiter südlich man kommt, desto trockener wird es, und in vielen Regionen nimmt der Wüstencharakter stark zu. Als die Deutschen damals in Lüderitz ankamen, standen sie zunächst in einer Fels, Sand und Wüstenlandschaft und sind dann mit Ochsenkarren über Monate weiter Richtung Norden gezogen.
Die Menschen leben dort also wirklich von und mit der Natur. Namibianisches Weiderind ist ja auch in Europa bekannt und gilt als Delikatesse. Aber wenn man sich überlegt, wie wenig Regen in manchen Regionen fällt, dann merkt man schnell, wie abhängig diese Landwirtschaft von Wasser ist. Ein Farmer hat oft nur einen begrenzten Zeitraum in der Regenzeit, um Regenwasser in Staudämmen zu sammeln. Danach fällt oft lange kein Regen mehr.
Je weiter südlich man kommt, desto trockener wird es.
Moderator:
Kurze Zwischenfrage: In Namibia ist der Winter ja dann, wenn bei uns Sommer ist, oder?
Maximilian Henrichs:
Genau. Juli ist dort Winter und Dezember Hochsommer.
Moderator:
Und wann ist die Regenzeit?
Maximilian Henrichs:
Die Regenzeit liegt je nach Region ungefähr zwischen November und April, mit regionalen Unterschieden. Besonders häufig fällt der Regen oft zwischen Januar und März.
Moderator:
Krass. Also auch mal ein bisschen Learning nebenbei.
Maximilian Henrichs:
Ja, auf jeden Fall. Wenn du dann mal ein Jahr hast, in dem es wenig geregnet hat, dann wird die Existenz schnell bedroht. Ohne Regen kein Wasser im Damm. Für den Haushalt haben viele zwar Bohrlöcher, aber der Grundwasserspiegel liegt in manchen Regionen auf über 250 Metern Tiefe.
Moderator:
Das sind doch die Leute, die mit der Wünschelrute gehen?
Maximilian Henrichs:
Genau. Es gibt dort Wasserfinder, die mit der Wünschelrute arbeiten. Klingt für viele unglaublich, funktioniert aber tatsächlich erstaunlich gut. Gerade weil so ein Bohrloch teuer ist, will man natürlich möglichst genau wissen, wo man bohren sollte.
Es gibt Regionen, etwa im sogenannten Otavi Dreieck, zwischen Tsumeb, Otavi und Grootfontein. Dort hat man viel Glück, weil man auf einem riesigen unterirdischen Wasserreservoir sitzt. Da reicht es oft schon, 10 bis 15 Meter zu bohren und man findet Wasser.
Je weiter man in Richtung Caprivi Streifen und Okavango Delta kommt, desto mehr Landwirtschaft ist möglich, also auch Ackerbau. Ansonsten wird vieles an Obst, Gemüse und anderen Produkten aus Südafrika importiert. Deshalb ist die Ernährung in Namibia oft sehr fleischlastig.
Moderator:
Und auf einer Lodge gibt es dann wahrscheinlich eher noch ein zweites Steak als eine extra Portion Gemüse.
Maximilian Henrichs:
Ganz genau. Gemüse ist dort oft Mangelware. Ein großes Thema ist natürlich auch die Wildbewirtschaftung auf den Farmen. Farmer, die Rinder oder Schafe halten, essen diese Tiere meist nicht selbst, weil sie sie gut verkaufen können. Das Wild auf der Farm dient dagegen häufig der Eigenversorgung.
Oryx, Zebra oder Elandantilopen sind dort zum Beispiel wichtige Fleischquellen. Oryx ist in Namibia besonders typisch und sogar Wappentier. Für ein Rind bekommt ein Farmer pro Kilo Lebendgewicht vielleicht zwischen 1,80 Euro und 2,80 Euro. Für ein Kilo Zebrafleisch dagegen deutlich weniger. Deshalb wird Wild oft eher selbst genutzt als verkauft.
Außerdem leben auf den Farmen viele Farmarbeiter. Je nach Farmgröße sind das 10, 20, manchmal 30 oder mehr. Der Farmer stellt ihnen oft Häuser, Wasser und Strom zur Verfügung. Neben dem Lohn in Geld gibt es meist auch Fleischrationen für die Familien. Viele Farmarbeiter leben dort seit Generationen.
Oft übernehmen die Farmer auch Teile der Nahversorgung. Es gibt kleine Farmstores mit Dingen des täglichen Bedarfs wie Zahnbürsten, Seife, Waschmittel, Zucker oder Mehl, damit die Leute nicht für alles viele Stunden in die nächste Stadt fahren müssen.
Moderator:
Und wie bist du dann dazu gekommen, die Wildlife Foundation zu gründen?
Maximilian Henrichs:
Angefangen hat das Ganze, als wir auf einer Farm saßen, auf der es Giraffen gab. Der Farmer mochte die Tiere allerdings nicht besonders, weil Giraffen viele hochwachsende Bäume abfressen. Eine Giraffe frisst rund 30 Kilo am Tag, hauptsächlich Akazien. Diese Akazien sind aber wichtige Tiefwurzler, die gerade in trockenen Regionen wichtig sind.
In Afrika gibt es heute nach aktuellem Stand vier Hauptarten von Giraffen mit mehreren Unterarten. In Namibia ist hauptsächlich die südliche Giraffe verbreitet. Insgesamt gibt es in ganz Afrika nur noch rund 117.000 Giraffen. In Namibia leben davon etwa 14.000.
Moderator:
Das ist erstaunlich wenig.
Maximilian Henrichs:
Ja. Viele denken bei Afrika sofort an Elefanten und Löwen und dass die Giraffe irgendwie selbstverständlich dazugehört. Aber wenn man die Zahlen sieht, merkt man schnell, dass Giraffen sehr unterschätzt werden. Zum Vergleich: In Afrika gibt es ungefähr 415.000 Elefanten, aber nur rund 117.000 Giraffen.
Bei Nashörnern sieht es übrigens noch dramatischer aus. Insgesamt gibt es in Afrika nur rund 23.000 Nashörner.
Moderator:
Und ihr habt dann gesagt, ihr wollt etwas für die Giraffen tun?
Maximilian Henrichs:
Genau. Wir haben gesehen, dass sich bestimmte Giraffenbestände auf einzelnen Farmen stark vermehren, aber isoliert voneinander leben. Dadurch entsteht langfristig Inzucht. Es gibt Fälle, in denen Tiere plötzlich tot aufgefunden werden und man vermutet, dass genetische Probleme eine Rolle spielen könnten. Gleichzeitig gibt es Farmen, auf denen man gerne Giraffen hätte.
Also haben wir gesagt: Warum siedeln wir nicht junge Giraffen um und bauen neue, gesunde Herden mit einem sauberen Genpool auf?
So entstand die Idee zur Namibian Wildlife Foundation. Die Idee ist über zwei bis drei Jahre gereift. Dann haben wir weitere Leute gesucht, denn um in Deutschland einen gemeinnützigen Verein zu gründen, braucht man sieben Personen. Wir haben ein gutes Team aufgebaut und dann losgelegt.
Uns war aber schnell klar, dass es nicht reicht, sich nur um Giraffen zu kümmern. Wenn der Lebensraum nicht stimmt, nützt das wenig. Deshalb haben wir die Namibian Wildlife Foundation beziehungsweise den Green Eco Hub auf fünf zentrale Säulen aufgebaut.
Die erste Säule ist Giraffen Conservation. Dabei geht es um den Schutz der Giraffen in Namibia, um nachhaltige Lösungen für bedrohte Bestände und um konkrete Maßnahmen, mit denen wir ihre Lebensräume sichern und verbessern wollen.
Die zweite Säule sind Privat Natural Game Reserves. Hier geht es darum, sichere Rückzugsorte für bedrohte Tierarten zu schaffen und gleichzeitig nachhaltigen und umweltschonenden Ökotourismus zu fördern.
Die dritte Säule sind die Green Future Baumschulen. Dort geht es um Aufforstung, die Anzucht von Bäumen und gleichzeitig auch um ökologische Bildung als Grundlage für eine nachhaltige und grünere Zukunft.
Die vierte Säule sind die Earth Healing Projects. Dabei geht es um Maßnahmen gegen Desertifikation, also um die Renaturierung von Böden und Lebensräumen sowie um nachhaltige Ansätze, mit denen geschädigte Flächen langfristig wieder stabilisiert werden können.
Die fünfte Säule ist der Eco Knowledge Hub. Das ist eine Plattform, auf der Wissen, Technologien, Daten und Strategien gebündelt werden sollen, um bessere Lösungen im Kampf gegen Desertifikation, Klimawandel und globale Naturschutzprobleme zu entwickeln.
Anti Poaching ist bei uns inzwischen im Grunde eine zusätzliche, später hinzugekommene sechste Säule beziehungsweise ein eigener zentraler Schwerpunkt, auch wenn die ursprüngliche Grundstruktur zunächst aus diesen fünf Säulen bestand.
Wir haben 2024 in der Kalahari testweise fünf Baumsetzlinge in vorbereitete Pflanzlöcher gesetzt und dabei auch mit Pflanzenkohle gearbeitet. Ein Jahr später waren alle fünf angewachsen und deutlich größer geworden. Das zeigt, wie wirksam solche Maßnahmen sein können.
Moderator:
Wie läuft so eine Giraffenumsiedlung eigentlich ab?
Maximilian Henrichs:
Wichtig ist: Die Giraffe selbst kostet nichts. Wir nehmen meist Jungtiere im Alter von etwa zwei bis drei Jahren. Also keine Kälber, die noch bei der Mutter sein müssten. Diese Tiere sind bereits selbstständig, aber noch jung genug, um gut transportiert werden zu können.
Wir sammeln Tiere aus verschiedenen Regionen und setzen sie in einem sinnvollen Geschlechterverhältnis zusammen, meist etwa zwei Bullen und sechs Kühe. So entsteht ein neuer Familienverband mit gesundem Genpool.
Das Ganze ist logistisch aufwendig. Man braucht dafür professionelle Wildfänger, Fahrzeuge, Helikopter und erfahrene Teams vor Ort. Die Giraffen werden mithilfe eines Helikopters und eines Trichtersystems in einen Fangbereich getrieben und schließlich auf spezielle Transportfahrzeuge verladen.
Die Tiere werden dann auf andere Farmen gebracht, wo sie in Freiheit weiterleben. Auf unserer Instagram Seite der Namibian Wildlife Foundation gibt es dazu auch Videos.
Moderator:
Das klingt wahnsinnig aufwendig.
Maximilian Henrichs:
Ist es auch. Deshalb lohnt sich das wirtschaftlich erst, wenn ein Transporter mit sechs bis acht Tieren voll ausgelastet ist. Rechnet man alle Kosten zusammen, kommt man auf rund 1.800 Euro pro umgesiedelter Giraffe.
Und genau deshalb sind auch kleine Spenden so wichtig. Die Foundation trägt sich nicht durch einzelne Großspender, sondern vor allem durch viele Menschen, die 5, 10 oder 20 Euro im Monat geben.
Moderator:
Geil. Da werden wir auch einer von. Das verlinken wir auf jeden Fall.
Maximilian Henrichs:
Das freut uns sehr. Das Schöne bei uns ist: Wir arbeiten ehrenamtlich. Niemand im Vorstand zahlt sich ein Gehalt aus. Wir tragen sogar viele unserer Reisekosten selbst. Die Spendengelder fließen direkt in die Projekte und die notwendige Infrastruktur.
Moderator:
Und die letzte Säule ist dann Anti Poaching?
Maximilian Henrichs:
Genau.
Moderator:
Dann würde ich sagen, wir steigen gleich im nächsten Teil ins Thema Anti Poaching ein. Was bedeutet Anti Poaching genau, wie helfen Drohnen dabei und was kann man konkret tun, gerade auch im Zusammenhang mit Nashörnern?
Anmerkung:
Die im Gespräch genannten Populationszahlen sind grobe Richtwerte zur Einordnung. Je nach Quelle, Erhebungsmethode und Aktualität können sie leicht abweichen. Bei Giraffen werden teils bereits neuere oder präzisere Werte verwendet. Der hier genannte Wert von rund 117.000 Tieren in Afrika und rund 14.000 in Namibia ist daher als gerundete Orientierung zu verstehen.

